Die Entscheidung, über die Leutnant Rosch sprach, hieß: Alle Bewohner von Bowdam von der Außenwelt abzusperren. Einen Tag nach dem Feuerwerk waren die ersten Einheiten bereits vor Ort. PSICOM arbeitet schnell. Doch noch schneller schien es gegangen zu sein, die Blockaden rund um die Bowdam Ruinen zu errichten. Obwohl ich davon erst später erfuhr.
Es scheint, als wäre das Forscherteam, welches in die Ruinen geschickt wurde, nie wieder zurück gekehrt. Kein einziger von ihnen. Nachdem das Team eine kabellose Verbindung installiert hatte, welche ihnen den Standort des fal'Cie offenbaren sollte, verschwanden sie von ihren Positionen. Anstatt ein Rettungsteam hinterher zu schicken, versperrte PSICOM die Ruinen. Obwohl sie tief in den Ruinen noch am leben sein könnten... irgendwo.
Die Soldaten schienen all das akzeptieren zu können, ganz im Gegensatz zu den Zivilisten. Man kann nicht erwarten, dass diese all das einfach akzeptierten. Genau so wenig wie ich. Keine Erklärungen; nur die Anweisung, die Stadt nicht verlassen zu dürfen. Wer würde einfach rumsitzen und diesem Befehl folge leisten? Besonders an diesem Tag, an dem Bowdam voller Touristen war. Menschen von ganz Cocoon befanden sich dort und nach dem Tag des Feuerwerks schien es doch aberwitzig...
Nachdem das Festival vorüber war, wurden wir zurück zum Sicherheitscenter gebracht. Ursprünglich wollten wir Bowdam nach dem Feuerwerk verlassen und zurück in die Klinik nach Eden fliegen, doch als Dajh fragte, ob wir denn jetzt schon wieder gehen würden, änderten sie ihre Meinung. Sie waren der Annahme, Dajh könne vielleicht irgendetwas von Pulse spüren, und so wollten sie bleiben. Das Team, das für die Untersuchungen an Dajh verantwortlich war, war natürlich mir zu dem Festival gekommen, doch diese konnten sie in dem Sicherheitscenter nicht vollenden.
Nabaat hatte bereits gefragt, ob es möglich wäre, Dajh weiterhin über einen Monitor beobachten zu lassen. Sie erklärte, dass alles was er sagte, einen bestimmten Zusammenhang besitzen könne.
Sazh konnte nicht widersprechen. Und selbst wenn er es getan hätte, hätten sie eine versteckte Kamera oder eine Wanze eingebaut. Sie würden auf jeden Fall beobachtet werden, da war Sazh sich sicher. Dajh schien das alles nicht zu kümmern, denn er sprang vergnügt im Zimmer umher und das kleine Chocobo tat es ihm gleich. Bis tief in die Nacht waren die beiden wach.
Sazh dachte, sein Sohn würde vielleicht verschlafen, doch dieser wachte um die gewohnte Zeit auf und verschlang sein Frühstück. Obwohl er verschlafen aussah, schien er die Müdigkeit zu vergessen, als er sein agiles Chocobo beobachtete und mit diesem erneut spielen wollte. Vielleicht hatte Dajh vorgeschlagen, in Bowdam zu bleiben, um den ganzen Tests zu entkommen. Bislang machte es nicht den Anschein, als würde er irgendwas fühlen, was in Verbindung mit Pulse stand. Er war ganz anders, als zu dem Zeitpunkt, an dem er sagte, dass er das riesige Feuerwerk sehen wollte.
„Daddy, ich möchte fern sehen!“
„Bitte? Oh ja, es ist die Zeit.“
Es war nur ein 15-minütiges Kinderprogramm, das Dajh sich immer ansah, bevor er in den Kindergarten ging. Während er dies tat, zog Sazh sich meist an und sobald das Programm vorbei war, schaltete Dajh den Fernseher aus und beide verließen zusammen das Haus.
Sazh war sich sicher, dass die beiden diese Prozedur beibehalten würden, bis Dajh zu alt für solche Kinderserien war. Nachdem er Feierabend hatte, begab er sich zum Kindergarten und holte seinen Sohn ab und auf dem Heimweg überlegten sie, was sie am Abend essen könnten und besorgten die Zutaten im nächsten Geschäft.
Was früher Alltag war, erschien nun wie etwas Wunderbares. Doch dieses wunderbare war vorbei, sein Strahlen erloschen.
„Daddy, der Fernseher hier ist komisch!“, quengelte Dajh unglücklich. Sazh schreckte auf, fand sich in der Realität wieder.
„Auf jedem Kanal kommt das selbe.“
„Das ist... Bowdam Station.“
Soldaten waren zu sehen, die die Station absperrten. Die Stimme einer weiblichen Nachrichtensprecherin untermalte dies.
„Letzte Nacht wurde ein fal'Cie von Pulse in den Ruinen von Bowdam entdeckt. Das Heiligtum hat entschieden, die Stadt und die umliegenden Dörfer abzusperren.“
Im Fernseher war nun die Luftschiff-Flotte zu sehen, die über der Station flog. Sazh hechtete zum Fenster und warf einen Blick hinaus. Er erkannte die Luftschiffe, aus denen Soldaten heraussprangen. Der Himmel war voll von diesen Schiffen.
„Das Heiligtum verriet, dass der Unfall bei den Ewleede Plantagen von einem l'Cie von Pulse geplant war.“
Sazh lenkte seinen Blick wieder auf den Fernseher, als er das Wort „Pulse“ hörte. Zivilisten, die versuchten, die Station zu stürmen, wurden von den Soldaten wieder zurück gedrängt. Vermutlich waren es Touristen. „Wir leben noch nicht ein mal hier.“, sagten sie vermutlich, „es ist nur Zufall, dass wir hier sind. Wieso machen Sie das mit uns?“
Sazh konnte deren Verwirrung verstehen. Er selbst hatte so gefühlt, vor sieben Tagen.
„Aufgrund der Geschehnisse der letzten Tage scheint die Angst der Menschen in dieser Stadt stetig zu wachsen. Es gibt Stimmen, die sagen, dass härtere Maßnahmen ergriffen werden müssen, als Quarantäne.“
Er wollte nicht mehr davon hören. Er wollte keine Menschen sehen, die genau so verzweifelt wie er waren. Sazh schaltete den Fernseher aus.
„Heute kein Fernseh für dich. Du wirst es morgen ansehen müssen. Sieh nur, er möchte mit dir spielen.“
Das Chocobo-Baby flatterte aus seinem Haar. Dajh lachte und zusammen tollten sie erneut durch das Zimmer. Es schien als hätte er vergessen, dass er eigentlich das Kinderprogramm sehen wollte.
Als hätte jemand auf diesen Moment gewartet, klopfte es an der Tür. Vielleicht hatten sie gewartet. Schließlich wurde dieser Raum ja überwacht. Als Sazh die Tür öffnete, stand Nabaat ihm gegenüber.
„Mr. Katzroy, wir verlassen Bowdam so bald wie möglich. Bitte packen Sie zusammen.“
„Sind Sie sicher? Was ist mit denn mit dem Aufspüren von den Dingen von Pulse, oder was immer es genau war...?“
Nabaat sah über die Schulter von Sazh vorbei in den Raum. Als sie sicher war, dass Dajh mit dem Chocobo beschäftigt war, sagte sie in leiser Tonlage: „Das Heiligtum hat entschieden, alle Menschen aus der Stadt zu evakuieren.“
Was bedeutete, dass alle Menschen, die möglicherweise aus Pulse kamen, bei der Evakuierung wieder dorthin zurück geschickt würden. Sie sprach so darüber, als wäre dies der nächste Schritt, nachdem sie die Stadt unter Quarantäne gestellt hatten.
„Wir erwarten einen regelrechten Aufruhr, sobald dies offiziell bekannt gegeben wird.“
Das war verständlich. Erst wurde den Menschen verboten, die Stadt zu verlassen und wenn sie dann noch gezwungen wurden, zurück nach Pulse zu gehen, in die Hölle, würde es mit einem Massenaufstand enden. Zivilisten gegen Soldaten. Es war nur eine Frage der Zeit.
„Natürlich müssen wir uns beeilen und den l'Cie von Pulse finden, aber Dajhs Sicherheit hat höchsten Vorrang. Sobald das Luftschiff bereit ist, werden wir die Stadt verlassen.“
Nabaat kehrte den beiden den Rücken zu und verließ das Zimmer, zurück blieben nur ihre Worte.
Es dauerte nicht lange, bis sie Bowdam verließen. Ihnen wurde nicht gesagt, ob sie zurück zur Klinik gebracht wurden, nur, dass sie ein Luftschiff nutzen würden. Dajh verließ den Raum, ohne sich zu beschweren.
Sazh dachte, sein Sohn würde sicher wieder mit dem Chocobo spielen, während sie auf dem Heimflug waren, doch stattdessen blieb er ruhig. Er saß bloß da und starrte hinunter nach Bowdam.
„Daddy, da fliegt etwas.“, flüsterte er.
„Der Himmel über Bowdam ist überfüllt mit Luftschiffen der PSICOM, das ist also ganz normal. Ich bin sicher, da sind viele... huh?“
Als Sazh aus dem Fenster sah, erkannte er das „Etwas“ auf das sein Sohn anspielte. Es sah aus wie gewöhnliches Highspeed-Luftschiff der PSICOM-Flotte, doch seine Bewegungen waren untypisch.
„Was machen die da?“
Plötzlich erkannte er den Grund für diese Bewegungen. Sie wurden von anderen Militärschiffen verfolgt und sogar attackiert. Das andere Schiff versuchte, diesen Angriffen auszuweichen, in dem es unberechenbare Bahnen flog.
„Es stürzt ab!“, schrie Dajh. Das Schiff wurde getroffen und schwarzer Rauch trat aus der Rückseite hervor. Das Schiff stürzte immer tiefer auf die Ruinen hinzu, als plötzlich jemand aus dem Schiff sprang.
„Eine Zivilistin?“
Vom Luftschiff aus, sah sie aus, wie eine junge Frau. Sie streckte ihren Arm in Richtung des Schiffes und schire irgendwas. Natürlich! Deswegen wurden sie verfolgt. Zivilisten hatten das Schiff gestohlen. Das Mädchen verschwand schließlich in den Ruinen und das Schiff, das sie geflogen war, war nicht mehr zu sehen. Was war da gerade passiert?
„Dajh, hast du gesehen, dass da jemand in die Ruinen gesprungen ist?“
Nabaat stand hinter ihnen. Dajh nickte.
„Und hast du sie verschwinden sehen?“
„Sie sind nicht verschwunden. Sie sind in den Ruinen.“
Es schien so, als hätten ihm seine Augen keinen Streich gespielt, sie wurde wirklich von den Ruinen verschluckt. Doch das würde bedeuten, dass sich in den Ruinen Menschen befanden, die von dem fal'Cie gefangen gehalten wurden.
„Gute Arbeit, Dajh.“, sagte Nabaat und streichelte ihm über den Kopf. Sazh fragte sich, worüber Nabaat wohl sprach. Sollten sie nicht versuchen, das Mädchen zu retten?
„Sie... Sie müssen ihr helfen!“
„Nein, müssen wir nicht. Diese Ruinen werden nach Pulse gebracht, abgeriegelt, wie sie jetzt sind. Sie werden zum selben Ort gebracht, wie die Stadtbewohner, die sich momentan noch in Bowdam befinden, wir haben also kein Problem.“
Sazh konnte nicht glauben, was er da hörte. Sie alle wurden nun einfach nach Pulse geschickt? War es wirklich das, was sie damit sagen wollte?
„Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass sie selbst ein l'Cie von Pulse war. Denken Sie nicht auch so?“
'Der Feind Ihres Sohnes' war es, was sie wirklich damit ausdrücken wollte. Sie sah zu Dajh. Er hatte bereits das Interesse an den Geschehnissen draußen verloren und rannte mit dem Chocobo umher. Er hatte wieder etwas von Pulse gefühlt, doch sein Fokus war noch immer nich erfüllt. Obwohl er ein Mädchen gesehen hatte, welches vielleicht ein l'Cie von Pulse sein könnte, hatte er sich noch nicht in einen Kristall verwandelt. Was bedeutete, dass Dahjs Fokus folgendes war: Einen fal'Cie oder einen l'Cie von Pulse aufzuspüren und diesen zu vernichten.
„Dajh zeigte Interesse an dem Schiff, in dem sich das Mädchen befand. Also ist es mit Sicherheit das Beste, wenn wir die Ruinen nach Pulse bringen, ohne die Menschen daraus zu befreien.“
Nach diesen Worten brannten bei Sazh schlussendlich alle Sicherungen durch.
„Oh, Sie denken, dass das das beste ist? Was zur Hölle ist los mit Ihnen? Wenn wir das nach Pulse senden...“
Wenn sie es wirklich nach Pulse senden würden, dann hätte niemand von Cocoon die Möglichkeit es zu erreichen. Das bedeutete zeitgleich, dass Dajh keine Möglichkeit hatte, seinen Fokus zu erfüllen.
„Wenn wir es nach Pulse schicken? Dann werden die Bewohner von Bowdam befreit sein, von der Bedrohung von Pulse.“
„Das ist für Sie vielleicht in Ordnung, aber was ist mit Dajh? Wollen Sie denn, dass er sich in eine Cie-Leiche verwandelt? Wenn ja, warum haben Sie dann all diese Tests an ihm durchgeführt?“
Nabaat hatte dafür noch nicht einmal einen Augenaufschlag übrig.
„Natürlich. Wir tun dies für alle Menschen von Cocoon. Oder wollen Sie sagen, dass ein Leben mehr wert ist, als das einer ganzen Kultur?“
„Wa...“
Noch nie zuvor war Sazh so wütend gewesen, dass ihm die Sprache fehlte. Er ballte seine Fäuste, doch diese zitterten unkontrolliert.
„Verstehen Sie das nicht falsch, Mr. Katzroy. Es ist mein Job, die Bürger von Cocoon vor den Gestalten von Pulse zu beschützen.“
Ihre Worte waren so kalt wie Eis und genau so schrecklich war das Lächeln auf ihren Lippen.
„Vielleicht sollten Sie nicht so laut werden. Denken Sie nur daran, wie sich Ihr Sohn gerade fühlen muss.“
Sazh sah sich nach Dajh um. Dieses Gespräch war wirklich nicht für Kinderohren geeignet. Glücklicherweise war er damit beschäftigt, über Sitze zu klettern und hatte nichts von alledem mitbekommen.
Davon beruhigt, fühlten sich seine Beine plötzlich zu schwach an, ihn zu tragen. Er lies sich auf einen Sitz fallen und versteckte seinen Kopf in den Händen. Er konnte hören, wie sich ihre Schritte entfernten, aber tun konnte er nichts dagegen.
„Es gibt nichts, was ich tun kann“, dachte er. Und er wusste es von Anfang an. Dajh war für die PSICOM nichts weiter als ein Gebrauchsgegenstand, den sie nutzen konnten, wie sie wollten. Solange Cocoon in Sicherheit war, bedeutete ihnen das Schicksal eines kleinen Kindes gar nichts. Nicht nur Nabaat, ganz PSICOM, nein, ganz Cocoon dachte so.
Natürlich war Sazh Cocoon vollkommen egal, solang es Dajh gut ging. Das bedeutete, dass er die einzige Person war, die etwas für seinen Sohn tun konnte. Er müsse den Fokus seines Sohnes für ihn erfüllen, mit seinen eigenen Händen. Andererseits war es vollkommen egal, ob der Fokus komplettiert würde oder nicht, ihr Leben würde nie wieder so werden, wie es mal war. Das einzige, was seinen Sohn erwartete, war der Tod oder etwas, was man damit vergleichen konnte. Allerdings war ein Kristall noch immer besser, als ein Monster.
Er musste den fal'Cie von Pulse zerstören. Doch war das ihm überhaupt möglich? Er war ein normaler Mann. Konnte eine normale Person etwas so Mächtiges, wie einen fal'Cie zerstören?
Nein, das war nicht das Problem. Er erinnerte sich an das Mädchen, das etwas geschrien hatte, als es von den Ruinen verschlungen wurde. Für sie war es genau so absurd, wie für ihn, sich gegen die Soldaten zu stellen und in die Ruinen zu gelangen. Und trotzdem hatte sie es getan. Wie Nabaat sagte, könnte sie vielleicht zu den Feinden gehören. Doch sie hatte ihm Hoffnung gegeben. Auch wenn es unmöglich schien, so hatte er doch einen Grund, es zu versuchen.
„Dajh...“ Eigentlich wollte er diesen Namen nur im Herzen aussprechen, doch ehe er sich versah, hatte er es laut ausgesprochen.
„Was ist los, Daddy?“
Dajh saß auf den Plätzen hinter ihm und mit einem Sprung befand er sich vor Sazhs Gesicht.
„Nichts... Es ist nichts.“
Vor seinen Augen verschwann alles und er blickte aus dem Fenster.
„Dad wird ein kleines Nickerchen machen, okay?“
„Okay.“, stimmte Dajh zu und rannte wieder davon. Sazh lag da, mit geschlossenen Augen und lauschte dem piependem Chocobo und der Stimme seines Sohnes.
Als sie in der Klinik angekommen waren, wurden beide in getrennten Zimmern untergebracht. Sazh hatte darauf bestanden, dass das Chocobo-Baby Dajh begeleiten durfte, doch dies wurde nicht gewährt.
„Nein! Ich will bei meinem Daddy bleiben!“
Dajh klammerte sich an das Hemd seines Vaters und lies es nicht los. Vielleicht ahnte er ja, was sein Vater plante. Dass er den fal'Cie zerstören wollte, in den Ruinen, bevor sie diese nach Pulse schickten.
„Es tut mir Leid, Dajh. Aber wir müssen Tests erledigen. Du musst nur noch ein kleines bisschen länger warten. Morgen darfst du dann wieder mit deinem Vater spielen. Klingt das nicht gut?“ Nabaat lächelte.
Dajh sah so verloren aus und er klammerte sich weiter an seinen Vater.
„Wenn du mit den Tests fertig bist, dann kauf ich dir eine Belohnung. Alles, was du willst. Was würdest du mögen? Ein Bilderbuch? Ein riesiges Chocobo-Plüschtier?“
„Wirklich?“
„Ja, wirklich. Was immer du willst, du brauchst nur fragen.“
„Ich möchte zum Nautilus Park! Ich will da alle Chocobos sehen!“
Schon wieder Nautilus Park. Er sagte das auch während dem Festival. Er wollte wohl wirklich gern dahin und sich die Chocobos anschauen. Sazh hatte gehofft, dass Dajh etwas sagte, was sein Vater hätte besorgen können. Das wäre die Ausrede gewesen, die Klinik zu verlassen und heimlich zu den Ruinen zu reisen. Doch er wollte kein Spielzeug. Er wollte zu einem Ort, wo er Zeit mit seinem Vater verbringen konnte. Also machte er ein Versprechen. Was sonst hätte er tun können?
„Okay, nachdem du die Tests beendet hast, gehen wir zusammen in den Nautilus Park.“
Das Chocobo-Baby zirpte ein mal, so als wolle es zeigen, dass sie es nicht vergessen sollten.
„Natürlich nehmen wir das Kleine mit.“
„Okay! Du versprichst es, Daddy, richtig?“
„Ich verspreche es.“
Ein Versprechen, dass er niemals halten konnte. Wenn Sazh den fal'Cie besiegen würde, würde Dajh zu einem Kristall werden, bevor die Tests vorbei waren. Wenn er ihn nicht besiegen konnte, würde er zu einer Leiche werden.
„Streng dich an, bei den Tests, okay?“
Dajh nickte, als Sazh ihn auf dem Boden absetzte und ihn gehen lies. Er sah so glücklich darüber aus, zu dem Nautilus Park zu gehen. Er lächelte. Dieses Lächeln hatte Sazh schon immer ermutigt, ihm Kraft gegeben. Es war sein Schatz.
„Ich werde nicht zulassen, dass du zu einem Monster wirst“, schwor er, „auch wenn du zum Kristall wirst, möchte ich, dass du dein Lächeln behältst. Für immer.“
Das Lächeln brannte sich fest in sein Gedächtnis ein und auch er versuchte ein Lächeln aufzusetzen. Er fragte sich, ob er es hinbekommen hatte. Er konnte weder Dajh noch Jihl wissen lassen, dass dies ein Abschied war.
„Also dann, Dajh. Gehst du schon mal vor in dein Zimmer? Ich komme bald nach.“
„Okay. Daddy, du versprichst es, richtig?“, sagte er und rannte durch die Tür. Sazh biss die Zähne aufeinander. Es war das Beste so...
„Danke für Ihre Kooperation, Mr. Katzroy.“
„Uh, nein, das ist...“
Es war fast so, als hätte sie vergessen, was sie im Luftschiff gesagt hatte. Sie verbeugte sich tief. Sie war gut. Er war sich nicht sicher, ob er eine Chance gegen sie hatte. Doch irgendwie musste er versuchen, sie auszutricksen. Er versuchte sich zu beruhigen, bevor er sprach.
„Es gibt da eine Sache, die ich Sie gerne fragen würde.“
Er wusste, dass er genau so beobachtet wurde, wie Dajh. Wenn er nach Bowdam reisen wollte, so brauchte er zunächst eine Entschuldigung dafür.
„Ich würde gern nach Palumpolum und dort ein Bilderbuch kaufen oder Spielzeug, für Dajh, wissen Sie.“
In Palumpolum gab es ein riesiges Geschäft, das nur Kinderartikel führte. Als er noch weite Strecken mit dem Flugzeug flog, hatte er öfter dort gehalten und eine Kleinigkeit für Dajh besorgt. Damals war er nie sicher, was genau dem Kleinen gefiel und seine Frau lachte immerzu, wenn er mal wieder das falsche ergattert hatte.
„Wissen Sie... Es muss hart für ein Kind sein, diese ganzen Tests zu vollziehen. Deswegen würde ich gern etwas besorgen, das ihn ablenkt und worüber er sich freut.“
„Ja, ich denke, Dajh würde sich sehr darüber freuen.“
„Wenn ich nun schnell gehen könnte und mich beeile, dann könnte ich morgen Nachmittag zurück sein. Aber wenn Dajh nach mir fragt, dann dürfen Sie ihm nicht sagen, wo ich bin. Ich möchte nicht, dass er sich Sorgen macht.“
„Natürlich, ich verstehe.“, sagte sie lächelnd, „Nun, warum nehmen Sie keines unserer Luftschiffe? Wenn Sie nach Palumpolum wollten, wird das viel schneller gehen, als mit einem normalen Passanten-Luftschiff.“
„Ganz genau, wie ich dachte.“ Sie würden ihn beobachten, egal wo er war. Er war glücklich, Palumpolum gewählt zu haben. In einer kleinen Stadt wäre es ihm nicht möglich gewesen, die Soldaten abzuschütteln, doch in einer großen Stadt wie Palumpolum würde dies ein Leichtes werden.
„Das wäre eine große Hilfe, danke.“
Es musste klappen. Es musste. Er zwang sich selbst zu einem Lächeln.