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Durch den Haupteingang konnten sie nicht gehen. Die Forscher hatten bereits angefangen, die Pfade wieder herzurichten, also entschlossen sie sich, einen anderen Weg zu nehmen. Ob dieser aber wirklich ein Seitenpfad war oder nicht, konnten sie nicht wirklich erkennen, doch es sah jedenfalls danach aus.
„Wir müssen diesen Weg nehmen, nicht wahr?“ Elida klang besorgt, als sie sich umdrehte.
„Na ja, die Richtung stimmt. Wenn wir weiter diesem Weg folgen, sollten wir auf dem Hauptweg raus kommen.“
Sie waren nicht sehr weit entfernt von der Seeküste und trotzdem klangen die Stimmen ihrer Klassenkameraden beängstigend fern. Hope hoffte, dass dieser Weg wirklich der richtige war.
„Wenn wir zurück gehen, sollten wir lieber den Hauptweg nehmen.“
„Aber wenn sie uns dann am Haupteingang erwischen gibt’s riesen Ärger.“
„Keine Angst. Bis dahin werden die den Eingang schon fertig sauber gemacht haben.“
„Aber die Lehrer beobachten ihn bestimmt.“
Der Wald war zu geräuschlos, deswegen redeten sie besonders lautes, sinnloses Zeug. In einer großen Menschengruppe war diese Umgebung nicht annähernd so einschüchternd gewesen und die Stille gar nicht aufgefallen.
„Hey, schaut euch das an! Das sieht aus, wie eine Frucht.“, rief Elida erfreut. Sie zeigte auf einen Zweig, der unter massigen gelben Früchten versteckt war. Diese Früchte waren größer als die, die sie aus den Geschäften kannten.
„Ich frage mich, ob es okay ist, wenn wir eine probieren...?“
„Du darfst sie nicht pflücken, Elida. Also echt, du grapscht wirklich alles an.“
„Das tu ich nicht!“
„Na ja, das ist schon eine hübsche Farbe...“
„Ich hab gesagt, dass das nicht stimmt!“, entgegnete Elida wütend.
„Hey... Leute?“, Kai unterbrach die beiden Streithähne, „Kommt euch diese Farbe nicht auch bekannt vor? Es sieht doch so aus wie das … essbare Ding...?“
Da fiel es Hope ebenfalls auf. Das Monster, dass sie in der Nähe des Rainbow Passes gesehen hatten, sah von der Farbe her sehr ähnlich aus. Das Monster war auch nicht allzu weit weg vom Hauptweg gewesen...
Plötzlich zerriss sich der Boden vor ihnen wie eine große rote Mauer. Es war das Monster! Und sein rötlich transparenter Körper schwoll bedrohlich an. „Ein Vegetapudding!“ Und bevor Hope überhaupt realisierte, was geschehen war, war er bereits am rennen.
„Aaaah! Es verfolgt uns!“, schrie Elida den Tränen nah. Hope war der langsamste der drei, so dass er keine Zeit hatte, nach hinten zu sehen. Das einzige, was er tat war rennen, so schnell er konnte. Wenn sie ihn zurück lassen würden, wäre alles vorbei. Er rannte so lange, wie er konnte und er wusste auch nicht wirklich wohin.
Endlich fanden sie einen riesigen Stein, hinter dem sie sich verstecken konnten und so kauerten sie sich zusammen in den schützenden Schatten. Hopes Herz schlug so stechend schnell, dass er es im Kopf merkte.

„Es... es ist weg...“ Kai traute sich einen Blick über den Stein zu riskieren und sank erleichtert auf den Boden. Hopes Beine fühlten sich an, als könnten sie keinen Schritt mehr laufen.
Die drei Freunden saßen erschöpft auf dem Boden und mussten sich erst mal beruhigen. Wenn dieser Pfad genauso glatt und matschig gewesen wäre, wie der Hauptpfad.... Hope wollte sich gar nicht vorstellen, was dann geschehen wäre. Sie hatten Glück, dass sie dem Monster entkommen waren.
„Hey... Wo sind wir?“
Sie hatten gedacht, sie wären in Richtung Hauptweg gelaufen, doch wenn es die falsche Richtung war, dann hätten sie bloß in die andere Richtung zurück gemusst. Doch das ging jetzt nicht mehr.
„Hier sieht es irgendwie... anders aus.“
Die grünen Bäume waren verschwunden und steinige Klippen waren zu sehen. Auch das Gras unter ihren Füßen war kaum vorhanden. Es war ein einsamer, trostloser Ort.
„Wo sind wir her gekommen?“
Die Freunde waren eben so auf ihre Flucht bedacht, dass niemand darauf geachtet hatte, in welche Richtung sie rannten. Alles was sie nun sahen, waren steinige Pfade, die in alle Richtungen führten.
„Nun, der Pfad muss dort sein, wo die Regenbogen sind.“
Doch die Klippen waren ihnen im Weg. Sie konnten kaum den Himmel sehen, geschweige denn einen Regenbogen.
„Ich glaube, es geht da lang.“
„Nein, diese Richtung ist richtig.“
Kai und Elida zeigten in vollkommen verschiedene Richtungen und Hope konnte sich ebenfalls nicht entscheiden, welche von beiden die richtige war.
„Nun... dann müssen wir es eben ausprobieren.“
„Aber man sollte nicht einfach irgendwohin weitergehen, wenn man sich verlaufen hat.“
„Normalerweise nicht. Aber was ist, wenn uns hier ein Monster angreift? Hier können wir nicht fliehen.“
Die Wege hier waren uneben und steinig, hier waren die drei Kinder ein gefundenes Fressen.
„Wenn wir einen Ort erreichen, von dem wir uns einen Überblick verschaffen können, dann werden wir sicher auch den See sehen. Dann wissen wir auch, in welche Richtung wir müssen.“
„Richtig. Wir sind nur ein kleines Stück vom Pfad abgekommen. Sobald wir wissen, wo der See ist, ist alles in Ordnung.“, stimmte Kai zu. Elida nickte langsam, noch immer nicht ganz überzeugt.
„Oh, wartet mal kurz.“ Hope nahm sich einen spitzen Stein vom Boden und markierte eine Stelle mit einem 'X'.
„So, wenn wir auf einem Weg nicht weiter kommen sollten, können wir immer hier hin zurück kehren und eine andere Richtung probieren.“
„Wow Hope, du bist so klug!“
„Mein Vater hat mir das beigebracht. Er hat gesagt, sllte man sich jemals verlaufen, soll man seine Standpunkte markieren, damit man einen Anhaltspunkt hat.“
„Nun okay. Dann ist dein Vater also klug.“ Elida lachte. Doch dass Elida seinem Vater ein Kompliment zu sprach, freute ihn mehr, als wenn sie ihm eines machte.
„Dann los. Nicht, dass die anderen ohne uns fahren.“

Obwohl es Mittag war, dämmerte das Licht nur durch die ganzen Klippen durch. Die drei gingen geräuschlos, um die Aufmerksamkeit der Monster nicht auf sich zu ziehen. Ohne, dass jemand etwas gesagt hatte, hielten sich die Freunde an den Händen, sie fühlten sich stärker und in einer Gemeinschaft war es einfacher, ein vollkommes unbekanntes Land zu betreten.

Einige Stellen der Klippen leuchteten hell und wären die drei nicht allein unterwegs, hätten sie das wunderschön gefunden. Aber im Moment schien sogar dieses Licht beängstigend. Der Wind war warm und wehte sanft durch die Felsen.
Hope wusste nicht, wie weit sie bereits gelaufen waren, doch der schroffe Abhang neben ihnen schien kein Ende zu nehmen. Plötzlich erschien etwas in der Ferne, das einer gigantischen Maschine glich. Sie sahen sich an, nickten und rannten wie vom Blitz getroffen los. Vielleicht konnten sie die Maschine nutzen um einen Hilferuf zu senden und ihre Lehrer zu alarmieren. Doch je näher sie kamen, umso klarer wurde ihnen, dass diese Maschine nichts mit den ihnen bekannten Geräten gemein hatte. Es sah nicht so aus, als könnten Kinder sie bedienen.
„Drücken wir einfach ein paar Knöpfe.“
„Nein, was ist, wenn wir es kaputt machen?“, doch bevor Hope diese Worte gesprochen hatte, hatte Elida bereits einen Hebel betätigt. Das Schaltpult leuchtete auf.
„Siehst du – Wir können es benutzen.“, stellte Elida stolz fest. Doch als sie das sagte, erlosch das Licht und die Maschine war wieder außer Betrieb.
„Oh, das klappt nicht? Na gut, dann mach ich es so, wie meine Mutter es mir erklärt hat.“
Sie ballte eine Faust, doch Kai und Hope schnappten sich schnell ihre Arme und hielten sie zurück. Sie kannten die „Erklärung der Mutter“.
„Lass das! Wenn du das machst, geht es kaputt!“ „Nur deine Mutter kriegt Sachen wieder zum laufen, indem sie sie schlägt!“
Elida entspannte ihre Hände enttäuscht.
„Aber was sollen wir denn dann machen?“
„Wir gehen einfach ein bisschen weiter. Da hier eine Maschine steht, müssen auch Menschen in der Nähe sein.“
Der Weg war noch immer schwierig zu besteigen, aber die Hoffnung, dass jemand in der Nähe war gab den Kindern die Energie immer weiter zu laufen.

„Was denkt ihr, ist das?“
Sie waren am anderen Ende eines Tunnels angelangt, als Hope etwas sah, das vor seinem Gesicht schwebte. Es war ein leuchtender Ball, etwa so groß wie der Kopf eines Menschen. Es sah fast so aus, als wäre aus Wasser entstanden und so schwabbte es vor ihnen in der Luft.
„Es ist jedenfalls kein Monster. Es attackiert uns nicht.“ …
„Nein, du sollst nichts anfassen!“, schrien Kai und Hope doch es war zu spät. Elida legte ihre Handfläche auf das Geschöpf und plötzlich wurde es kälter und der Himmel grau. Regentropfen fielen hinab und binnen einer Sekunde fanden sie sich in einem Regenschauer wieder.
Es war ein Gerät, welches den Regen kontrollierte.
Schnell rannten sie in den Tunnel. Es war der einzige Platz, wo sie dem Regen entkommen konnten.
„Na ja. Jetzt wissen wir wenigstens, in welche Richtung wir gehen. Die haben ja erklärt, dass sich in der Nähe des Rainbow-Passes diese Geräte befinden. Also wissen wir, dass sich der Hauptweg direkt hinter diesen Klippen befindet.“
„Das ist ja schön und so. Aber wie stoppen wir diesen Regen?“
Hope wollte die aufkommende Diskussion der beiden stoppen, doch dann fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Die Forscher hatten doch erklärt, dass es hier Monster gab, die den Regen liebten? Und diese wurden hier beobachtet! Er musste den Regen stoppen! Ohne zu überlegen rannte er in Richtung der Maschine, tat ein paar Schritte und weiter kam er gar nicht.
Genau vor ihm stand ein gelbes, froschartiges Monster. Hinter diesem waren noch andere, ähnliche, doch in anderen Farben. Sie hatten scharfe Klauen und Hope erzitterte, als er sich dessen bewusst wurde.
Er wollte weglaufen, doch stolperte und hatte nicht die Kraft aufzustehen. Hinter ihm hörte er einen Schrei. Die Monster waren bereits in Elidas Nähe gekommen. Ihr Schrei würde sogar Glas zum splittern bringen und die Monster hielten sogar einen Moment inne. Doch ein Schrei würde sie nicht zum fliehen animieren und so kamen sie noch ein Stück näher. Hope konnte spitze Zähne erkennen, und er war sich sicher, dass sie ihn fressen wollten. Er kniff die Augen zu und kugelte sich ängstlich zusammen, doch spürte er keine scharfen Zähne.
Zitternd öffnete er die Augen wieder. Der Regen hatte aufgehört. Die Monster bewegten sich gemächlich in die andere Richtung. Jemand musste den Regen erneut kontrolliert haben.
„Der fal'Cie hier kontrolliert den Regen...“
Vielleicht hatte er die Freunde gerettet, als er Elidas Schrei hörte.

„Schaut! Da ist das Luftschiff!“, rief Kai plötzlich. Tatsächlich kam das Luftschiff immer näher. Vermutlich suchten sie nach ihnen. Es stoppte mitten in der Luft. Der fal'Cie musste auch die anderen alarmiert haben, war sich Hope sicher. Kai stürzte unter der Höhle hervor und winkte kräftig mit den Armen.
„Kannst du aufstehen?“ Elida griff nach Hopes Hand und half ihm auf. Er sah sich um, doch erblickte keinen fal'Cie.
„Hope, beeil dich!“
Er nickte und folgte den beiden anderen, die dem Luftschiff laute Schreie zuriefen und noch immer winkten.

Im Schiff angekommen, wurden die drei getrennt und einzeln befragt, was geschehen war. Sie durften sich eine Strafpredigt der Lehrer anhören, die sich gewaschen hatte. Diese hatten schon damit gerechnet, dass die drei Freunde von bösen Monstern attackiert wurden – Was hatten sie sich dabei gedacht?
Kais Kamera war unterdessen ebenfalls aufgetaucht. Ein Forscher hatte sie gefunden, als sie die Pfade in Ordnung gebracht hatten. Es wäre gar nicht nötig gewesen, sie auf eigene Faust suchen zu gehen. Sie hätten bloß warten müssen, bis die freie Zeit vorbei war.
„Ich hätte niemals vorschlagen sollen, dass wir alleine los ziehen.“, Hope war erschöpft. Er wusste nicht recht, was Elida und Kai dachten, doch sie schienen nicht wütend auf ihn zu sein.
„Hat ein fal'Cie den Regen gestoppt?“, fragte Elida einen Lehrer. Sie dachte wohl genauso wie Hope. Ein fal'Cie war der Einzige, der den Regen so stoppen konnte.
„Es war vermutlich einer der Forscher, der alles von einer anderen Stelle kontrolliert hatte. Aber vielleicht war es auch ein fal'Cie, der sich dazu entschieden hatte, den Regen aufhören zu lassen.“
Auch die Vermutung, dass ein fal'Cie die anderen informiert hatte, bewahrheitete sich nicht. Es war die Regen-Bedienungsplatte, welche Elida berührt hatte. Einer der Wissenschaftler hatte bemerkt, dass das Gerät aktiviert wurde.

„Sie haben gesagt, dass es sehr schwer war, hier zu landen. Wenn der Pilot nicht so großartig ausgebildet wäre, dann würdet ihr vielleicht noch immer in den Bergen umher wandern. Ihr solltet ihm später danken.“
Endlich durften sie zu ihren Plätzen zurück.

„Kai... Ich...“ Hope wollte sagen, dass es ihm Leid tat.
„Das war wirklich aufregend!“ Kai war am lachen und schlug Hope einmal auf den Rücken. Hope lächelte und nickte.
„Kai, nimm deine Kamera!“, rief Elida plötzlich und deutete aus dem Fenster. Es war bereits Abend. Das Farbenspiel aus Sonne, Natur und Luftschiff war verblüffend und Kai versuchte dies in einem Foto einzufangen. Endlich war der Speicherplatz der Kamera verbraucht und die Dateien wurden gesendet.
Das versprochene Foto für Hal, das letzte Foto, war ein Blick hinaus in die Nacht von Sunleth.


 


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