Die Seebriese fühlte sich gut an auf ihrer Wange. Serah lief ziellos über die Promenade und streckte ihre Arme dabei weit aus. Das Wetter war herrlich. Die Gegend um der Promenade war ruhig. Während dieser Saison gingen alle Touristen an den Strand um in der See zu schwimmen. In Team Nora’s Café war das Treiben seit dem Morgen vermutlich in vollem Gange. Selbst, wenn es nicht die Saison war, heute war Lebreau’s Arbeitstag. Ihre Kochkünste brachten immer die Einheimischen ein.
Das war vermutlich der Grund, warum Snow zu spät kam. Er sagte vermutlich „Ich überlasse euch den Rest, Jungs.“, versuchte zu gehen, aber einer der Einheimischen hielt ihn auf und verwickelte ihn in ein Gespräch. Dieses Bild im Kopf brachte Serah zum Lächeln.
„Hey!“ Sie hörte eine Stimmer hinter sich und drehte sich um. Es war nicht Snow. Es war ein Mitglied von Nora, Gadot. Das er selbst das Airbike flog war er vermutlich auf dem Rückweg zur Arbeit. Oder Lebreau fragte ihn, ob er einige Zutaten besorgen würde.
„Also kommt er..später?“ Sie sah ihn an und sagte das, während das Airbike neben ihr schwebte. Auch wenn er kleiner ist als Snow, so machten seine Muskeln oft den Eindruck, als wäre er ein Gigant. Als Serah ihn das erste Mal sah, dachte sie, er sähe groß und furchterregend aus, natürlich fühlte sie mittlerweile anders.
„Wurde er von einem der Stammtischler geschnappt?“
„Bingo, und es wird wohl noch eine Weile dauern.“ I frage mich, ob es einer dieser langatmigen Kunden war. Sie konnte sich nicht sicher sein, ob Snow oder Lebreau Gadot als Boten entsandten.
„Okay, ich verstehe.“
„Nah, ich bin ohnehin diesen Weg gekommen.“ Und mit einem „See ya“ flog er auf dem Airbike wieder davon. Serah winkte ihm hinterher und sah ihn davonfliegen.
Die Ruhe kehrte zurück und Serah begann wieder umherzulaufen. Es gibt einen Ort, am Ende der Promenade, wo sich Seevögel aufhalten. Sie entschied, dass sie dort auf Snow warten würde. Sie wurde es nie müde, den Seevögeln beim Spielen in den Wellen zuzusehen. Serah wünschte, sie hätte etwas mitgebracht, was sie ihnen als Futter hätte geben können.
„Ich liebe diese Stadt.“, murmelte Serah. Die Vögel, die im Wasser spielen, die Farbe des Himmels, das leise Rascheln der Blätter in den Bäumen, sogar die wunderschön gepflegte Promenade. Aber dies war Serah’s letztes Jahr an der High School. Es war bereits beschlossen, dass sie an die Universität der Hauptstadt von Eden gehen würde. Es ist der Weg, den sie für sich selbst entschlossen hatte, aber allein das Denken daran, dass sie diese Stadt verlassen würde machte sie traurig. Snow sagt immer „Eden ist doch gleich um die Ecke, wir können uns sehen, wann immer du willst.“ Und er lächelte. Serah sagte sich immer selbst, es sei ja nicht so, dass sie sich nie wieder sehen würden. Jemanden nie wieder sehen, das war etwas, was Serah verstand.
Als erstes ging ihr Vater. Auch wenn sie in einem Alter war, indem sie den Tod nicht verstand, so verstand sie doch, dass sie ihn nie wieder sehen würde. Als ihre Mutter an einer Krankheit starb spürte sie es noch viel stärker, den Schmerz jemanden für immer zu verlieren. Jemanden direkt vor dir zu verlieren. Snow kannte es auch, er wurde im gleichen Institut großgezogen wie Lebreau, Gadot und Yuge. Sie kannten den gleichen Schmerz. Das ist der Grund, warum sie sich so um Menschen kümmern, auch wenn sie es selber gar nicht merken.
Ich bin glücklich, bemerkte Serah. Ich bin glücklich, sodass nur eine kleine Distanz zwischen uns schmerzt. Jemanden jeden Tag sehen können, über sinnlose Dinge reden zu können, von netten Menschen umgeben sein. Es ist so ein Spaß, dass selbst das Verlieren der kleinsten Dinge schmerzt.
„Verwöhnte Göre, du bist gierig.“ Sie schlug sich leicht mit der Faust auf den Kopf. Eden ist nicht ganz so nah, wie Snow sagt, aber es stimmt schon, wenn er sagt, dass wir uns jederzeit sehen können. Also sollte ich aufhören mich selbst zu bemitleiden. Ich möchte nicht die letze Zeit, die ich hier habe, mit schlechten Gedanken verschwenden.
Sie hatte dies gerade entschlossen, als sie jemanden die Promenade herab rennen sah. Es war Snow. Er kam früher als sie dachte. Er gab vermutlich sein Bestes um das Gespräch schnell zu beenden.
„Hier drüben.“ Sie sprang auf und wedelte mit den Armen. „Hast du meine Schwester gesehen?“ Sie konnte nicht anders als zu rufen. Snow war leicht außer Atem vom sprinten. Sobald er sich etwas erholt hatte sagte er „Ja, ich habe Lightning gesehen. Wir sind gestern aneinander geraten.“
Aha, deshalb, sagte Serah zu sich.
„Warum? Sagte sie etwas über mich?“
„Nichts, aber sie war in einer sehr seltsamen Stimmung. Es war seltsam.“ Auch wenn sie schlecht gelaunt war, sie gab sich wie immer. Lightning zieht nie einen Schmollmund wie ein Kind, wenn sie schlecht gelaunt ist. Sie war immer schon zu stolz um Gefühle zu zeigen. Aber Serah konnte irgendwie immer ihre Stimmung erkennen. Als wenn sich ein unsichtbares Feld um sie herum ändert. Wenn sie es mit irgendetwas vergleichen müsste, dann vermutlich mit elektrostatischer Energie. Man sieht es nicht, aber wenn man es berührt, dann spürt man den Schock.
Snow schien sich selbst Schaden zufügen zu wollen, dachte Serah mit bitterem Lachen. Lightning und Snow sind vollkommene Gegensätze. Snow glaubt an seine Gefühle, was er denkt sieht man an seinem Gesicht, an seinen Aktionen, in seinen Worten. Seine Gefühle und seine Sprache sind eng miteinander verbunden. Er würde nie lügen oder betrügen.
Deshalb dachte Serah, sie könnte ihm vertrauen, aber ihre Schwester fühlte anders. Sie haben nichts gemeinsam, sie sind wie Öl und Wasser.
„Verdammt“, Snow kratze seinen Kopf, „was sollen wir machen?“ Zunächst verstand Serah nicht, aber dann wurde es ihr klar. „Es ist okay, du kannst immer noch kommen.“ Nächste Woche würde Lightnings Geburtstag sein. Serah brachte sie dazu ein wenig Urlaub zu nehmen, sodass die drei zusammen feiern könnten.
„Lass uns ihr sagen, dass wir miteinander ausgehen.“
„Ja, es ist schrecklich das verstecken zu müssen.“
Serah hatte geplant Snow an Lightnings Geburtstag vorzustellen. Sie wollte nicht, dass Lightning Urlaub nimmt, nur damit Serah Snow vorstellen konnte, zumal sie das nur irritieren würde und sie sehr beschäftigt ist. Aber sie wollte auch nicht zu lange damit warten, das durchzubringen.
„Wenn wir nur mit ihr reden wird sich schon verstehen. Sie ist eigentlich ganz nett.“ Lightning ist jemand, die nicht nur zäh zu sich selbst war, sondern auch zu anderen. Und wenn sie etwas entschieden hat, dann kommt sie so gut wie nie darauf zurück, also denken andere sie sei dickköpfig. Aber so war sie in der Lage mich zu beschützen und sich um mich zu kümmern, dachte Serah. Auch wenn sie noch in dem Alter war, in dem man beschützt werden möchte, so warf sie ihre Kindheit weg um mich beschützen zu können. Bei der Beerdigung ihres Vaters und ihrer Mutter war sie da und hielt Serahs Hand. Es war als wenn sie sagen wollte, egal was passiert, ich werde für dich da sein. Serah vergaß nie die Wärme der Hand ihrer Schwester.
Ah, sie fand endlich etwas, was Snow und Lightning gemein hatten. Auch wenn sie charakterlich komplett verschieden sind gibt es dort eine Sache. Ich liebe sie beide, flüsterte Serah, tief in ihrem Herzen. Sie haben das gemeinsam.
„Nein, es wird okay sein. Wir müssen es ihr sagen. Sie muss uns akzeptieren.“
„Aber wenn sie böse wird, wird sie mich vermutlich töten.“, sagte Snow scherzhaft. Serah, die versuchte nicht loszulachen, machte ein ernstes Gesicht.
„Wenn das alles ist was passiert. Wenn sie sich anpisst, dann zerstört sie noch ganz Cocoon.“
„Sie würde es, nicht wahr?“ Snow legte seine Stirn in Falten. Aber das war zu viel. Serah lachte drauf los und auch Snow warf seinen Kopf nach hinten und lachte lauthals mit. Ich hoffe, dass wir drei eines Tages so zusammen lachen können, dachte Serah. Nein, wir werden es können. An ihrem Geburtstag.
„Snow!“ hörten sie hinter sich, nachdem sie eine Weile gelacht hatten.
„Was ist los Maqui?“ rief Snow als das Airbike näher kam.
„Sie ziehen los, wir haben den Armeefunk abgehört! Es scheint, dass Monster in den Wäldern sind, es ist Zeit für Team Nora!“
„Verstanden“, sagte Snow während das Airbike landete.
„Sorry Serah, ich muss dem General helfen.“
„Okay!“ Serah verbeugte sich scherzhaft vor ihm. Maqui war nur ein Jahr älter als sie, also empfand sie ihn wie ein Klassenmitglied.
„Entschulde die Unterbrechung.“, sagte Maqui lachend. „Bastard“ erwiderte Snow und tat als würde er ihn Schlagen. Sie waren wie Brüder.
„Na gut, ich gehe dann nach Hause.“
„Warte! Äh, kannst du auf mich warten? Ich möchte mit dir einkaufen zu gehen.“
„Wofür?“ Snow schloss eines seiner Augen, als er aufs Airbike sprang.
„Ein Geschenk für deine Schwester.“
„Oh, ein Geburtstagsgeschenk.“
„Ich möchte, dass wir beide eines aussuchen. Du kannst schon mal vorgehen zur Shopping Mall, wenn du möchtest und rumgucken…“
„Nein, ich bleibe hier. Ich werde ein wenig bei den seltsamen Ruinen spazieren gehen.“
„Okay“, sagte Snow, als er mit dem Airbike abhob.
„Wir räumen schnell auf!“
„Seid vorsichtig!“, sagte Serah, winkend, obwohl Maqui und Snow bereits in der Luft waren. Sie lachte. „Ihr seid wirklich schnell.“